LEBENSKRAFT
UND MISSBRAUCH

Mai 2014

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Wenn du nicht fühlen darfst, was du fühlst

Mir scheint, ich bin jetzt durch die Zusammenstellung der ganzen Materialien ein Stück weitergekommen und entdecke gerade Neuland.

Ein wesentlicher Dreh- und Angelpunkt ist die Frage der Auflösung von inneren Barrieren gewesen. So als wäre dies eine unbedingt auszuführende Pflicht oder Aufgabe. Wer das nicht täte, könne nicht glücklich werden, usw. usf. So ganz allmählich merke ich das heimtückische Muster dahinter.

Denn es geht nicht um Wahrheit, nicht um Tatsachen, nicht um Erkenntnis, sondern es geht um das Erlangen eines wie auch immer gearteten, aber in jedem Fall "besseren" Zustands. Würde man nun sagen, man hätte kein Interesse mehr, diesen Zustand der Problemlösung oder der Auflösung von inneren Barrieren zu erreichen, dann würde das als inakzeptabel gelten.

Hierzu erhebt sich aber nun die Frage: Wer fordert so etwas? Und im selben Moment lichtet sich der Nebel. Vorher wurde diese Forderung nämlich unbesehen verinnerlicht, so als wäre das ganz selbstverständlich. Wer der Forderung nicht Genüge tut, wer sich nicht weiterhin bemüht und "glücklich zu werden versucht", wird abgelehnt, ist im selben Moment disqualifiziert.

Zwei Instanzen sind hier am Werk: 1. der Verstand, und 2. das gesellschaftliche Kollektiv. Beide können den Status quo nicht ertragen. Denn er stellt sie komplett infrage. Würde man den Status quo intakt lassen, wären nämlich sämtliche Ideale und Pläne dieser beiden Instanzen nichtig. Und genau das wäre das Allerschlimmste für sie.

Zu fühlen, was ich fühle, ohne damit noch irgend etwas zu machen oder zu versuchen, ist die einzig wahrhaftige Antwort. Damit verschwinden Zeit und Raum auf der Stelle, und es bleibt nur noch das übrig, was ist.

Nehmen wir zum Beispiel den hier von mir empfohlenen Film "The King's Speech". Es wird sofort klar, wo hier die Schwachstelle der ansonsten sehr hilfreichen Inszenierung ist. Es muß ein Happy-End her, und sei dieses auch noch so kümmerlich. Der König muß es am Ende zumindest schaffen, mit Müh' und Not diese eine wichtige, von ihm verlangte Rede zu absolvieren. Daß auch dahinter wieder genau diese Forderung nach Verbesserung, nach Fortschritt, nach Erfolg steht, nimmt der Zuschauer gerne in Kauf, denn es ist ja schließlich auch sein Verstand und seine gesellschaftliche Konditionierung, die hier nach Befriedigung der Erwartungen ruft und die schwer enttäuscht würde, wenn es nicht doch noch irgendwie aufwärts ginge.

Aber genau das ist eine Lebenslüge. Es geht nicht aufwärts. Und es kommt auch gar nicht darauf an, daß irgend etwas aufwärts geht! Das ist jetzt meine Erkenntnis. Es ist etwas ganz anderes, worauf es ankommt. Auch nicht darauf, irgendwelche Kindheitstraumata loszuwerden oder, wenn das schon trotz aller Versuche nicht klappen will, sie wenigstens zu lindern.

Zu fühlen, was zu fühlen ist, und zu empfinden, was zu empfinden ist, ist das einzige, was bleibt.

Genau an diesem Punkt aber verläßt einen das Kollektiv, verlassen einen die Freunde und sogar die Lebensgefährten. Denn leider werden sie diese Forderung — was sie selbst betrifft, und damit auch ganz allgemein — als völlig unerfüllbar ablehnen; sie werden diese Forderung hassen und verabscheuen. Diese Forderung ist das allerletzte, was sie akzeptieren werden. Deshalb kann man auch von niemand erwarten, einem hier noch weiter zu folgen. Man ist ganz allein damit. Und genau so soll es auch sein. Nur ich und mein Leben; nur ich und diese Existenz.

GLR
19.5.2014

Meine eigenen Erlebnisse sind sehr persönlich und individuell, spiegeln aber im Rückblick aus mehr als 40 Jahren betrachtet wesentliche Grundmuster der Verdrängung und Zerstörung von Lebenskraft und Authentizität dar. Das ist auch der Grund, warum ich sie ab Mai 2014 öffentlich gemacht habe und weiterhin ausarbeiten werde.

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