LEBENSKRAFT
UND MISSBRAUCH

Oktober 2015

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Nochmal zu dem Buch von Susan Forward

Beim nochmaligen Anschauen der Rezensionen zu Susan Forwards Buch "Vergiftete Kindheit" bin ich auf diese Rezension gestoßen, die so gut und treffend ist, daß ich sie hier wiedergeben möchte. (Fettschrift von mir)

Weiter unten habe ich dann noch einen Kommentarauszug zu Nathis Video einkopiert, den ich für wichtig und aufschlußreich halte.

Das Bild sagt schon alles: ein weggeworfenes Kind mit verdrehten Armen und Beinen, das den Blick abwendet!

Von Barbara K. am 17. November 2011

Ich habe mich endlich getraut das Buch zu lesen!

Ein ganz schwerer Schritt für mich, da wieder in der Vergangenheit zu buddeln, aber die ganze Mühe war es wert. Ich habe Anfang letzten Jahres gestartet meine ganze Kindheit zu verarbeiten mit den Büchern von Alice Miller, ich habe sehr viele von ihr gelesen, dachte das Thema wäre erledigt. Aber ich hatte mich geirrt, wenn man nicht immer wieder erinnert wird, wie giftig die Eltern sind, gerät man früher oder später wieder in die Illusion, dass sie sich doch geändert haben im Alter, dass alles nicht so schlimm war früher, dass sie es nicht besser konnten, keine andere Möglichkeit hatten, als... ja, als was eigentlich, als auf ein Baby einzuschlagen?!

Als 3-Jährige im dunklen Keller einzusperren für Stunden und sich noch Jahre später darüber zu amüsieren, wie lustig es war, dass das Kind dann weinend an der Kellertür gestanden hat und gefleht hat, es doch bitte wieder raus zu lassen. Kann man mit solchen Menschen befreundet sein? Weil man jetzt älter geworden ist. Und möchte man das? Was sind das für Menschen, wie grausam kann man nur sein zu seinen eigenen Kindern? Und die Schuld dafür habe ich bekommen, denn ich bin "zu sensibel", die Gewalt war ja "normal" und "nötig zur Erziehung", das "hat jeder so gemacht damals".

Dabei weiß ich heute ganz genau, ich bin ein normal empfindsamer Mensch, Gewalt gehört nicht zu meinem Leben. Ich will keine gewalttätigen Menschen mehr in meinem Leben. Es ist wie Alice Miller es sagt "Gewalt und Liebe schliessen sich aus", jedes Mal wenn man Zweifel hat, sollte man sich genau das in Erinnerung rufen. Jemand, der einen schlägt kann einen nicht lieben. Das gilt genauso für verbale Gewalt. Wenn Angst vorherrscht, gibt es kein Vertrauen mehr.

Alle tun so, als ob man vergessen könnte, was passiert ist. Meine Schwester meinte "Sie haben sich indirekt entschuldigt, also lass es gut sein, sie wußten es nicht besser, waren selbst Opfer ihrer Eltern". Ist das die Lösung? Nein, für mich nicht. Mir ist es egal, wessen Opfer sie waren, was ist mit mir? Ich musste so viele Jahre lang Verständnis haben für die ganzen Verletzungen, die sie mir zugefügt haben, und heute stehen sie wieder da mit einem Haufen Ansprüche, die ich zu erfüllen habe. Wieso eigentlich? Welche Eltern waren sie mir denn?

Es war, als ob Susan Forward bei uns zu Hause gewesen wäre! Dank der vielen Berichte weiß ich wieder, dass ich nicht alleine bin. Von der Familie wird man ja restlos verstoßen, wenn man den Stein ins Rollen bringt und das Lügenhaus zusammenbricht. Dann kann ja mit wem was nicht stimmen, natürlich mit dem Kind, die Eltern waren ja sooo tolle Leute!

Ich kann nur sagen, ja, die Familie bricht auseinander, aber war es denn vorher eine? Was hatte man denn? Man musste alles ertragen und mit den Lügen leben, die einen aufgezehrt haben und einem das ganze Leben vergifteten. Ich hatte ganz schlimme Depressionen und körperliche Schmerzen und eine riesen Wut im Bauch. Seitdem sind mir die Ursachen klar. Die Wut ist weg, denn ich weiss endlich, wer die Verantwortlichen sind, Depressionen kriege ich nur noch, wenn ich Kontakt zu meinen Eltern habe, was ich deshalb vollständig vermeide. Ich vermisse meine Eltern nicht, ich vermisse nur die Eltern die sie hätten sein können, aber nie waren.

Das tollste an Susan Forward ist, dass sie sich kompromisslos auf die Seite des Opfers, des misshandelten Kindes stellt, das habe ich so noch nie erlebt, ausser bei Alice Miller. Es ist sooo toll, dass endlich jemand hinter einem steht und man nicht alleine mit dem Rücken gegen die Wand dasteht. Endlich jemand der einem das Recht einräumt, sich mit der Vergangenheit zu befassen und die Wahrheit zu entdecken. Ich suche noch immer nach meiner Wahrheit, ich habe auch letztes Mal meine Mutter konfrontiert, weil ich wissen wollte, was genau passiert ist, ich kann mich ja an einiges nicht erinnern, weil ich damals noch ein Baby war. Meine Mutter ist ausgeflippt wie immer und meinte, ich wollte ihr wohl das Leben kaputt machen mit meinen Lügen, dabei frage ich mich, wenn doch alles toll war damals, wieso sagt sie dann nicht einfach "Es war alles toll, ich habe Dich geliebt". Aber das kann sie eben nicht, weil es nicht stimmt, weil sie genau weiss, dass sie immer gesagt hat, dass sie es bereut, Kinder bekommen zu haben. Und deshalb sollen wir jetzt alle garnicht mehr und nie wieder über die Vergangenheit sprechen. Es muss sich jeder selbst überlegen, ob er sein Leben auf diese Weise den Eltern opfern will, nur damit diese nicht leiden müssen unter der Wahrheit und sich in ihrer Welt gut fühlen. Ich habe mich dagegen entschieden, jeder Mensch ist verantwortlich für seine Taten, auch die Eltern. Es gibt keine Entschuldigung und vor allen Dingen keine Grundlage für eine heutige Beziehung.

Ich wünsche allen, die den Weg der Ehrlichkeit sich selbst gegenüber antreten möchten, alles Gute! Es lohnt sich auf jeden Fall, die verlorene Kindheit kann man leider nicht mehr zurückholen. Aber man kann ein neues Leben anfangen als Erwachsener und lernen sich selbst zu lieben, das Leben zu lieben und jemanden zu finden, der einen wirklich als den Menschen liebt, der man ist, statt sich vergebens nach der Liebe der Eltern zu sehnen, die diese einem ein Leben lang vorenthalten haben und deren kranke Forderungen erfüllen zu wollen.

DANKE!!! Ein Buch, das mein ganzes Leben verändert hat.

Nachtrag vom 10.10.2013:
Ich bedanke mich für die vielen Kommentare und freue mich, dass meine Rezension für so viele Menschen hilfreich war. Ich möchte ergänzen, wieso es so wichtig ist, die eigene Kindheit mit Hilfe dieses Buches aufzuarbeiten. Das Buch zeigt auf, dass (fast) alle emotionalen Probleme aus der Kindheit kommen. Menschen, die ihre Gefühle nie ausleben dürfen, verdrängen irgendwann sogar ganz, dass sie Gefühle haben und gefühlvolle Wesen sind. Wenn man die negativen Gefühle nicht zulässt, dann kann man auch keine positiven Gefühle empfinden. Irgendwann weiss man dann garnicht mehr, wer man eigentlich ist und schleppt nur eine riesengrosse Wut mit sich herum. Diese bricht dann immer wieder aus und man reagiert übertrieben.

Durch das Lesen dieses Buches erfährt man, warum das so ist. Wir sind alle Menschen und brauchen Gefühle zum Leben und um glücklich zu sein. Das Buch zeigt den meiner Meinung nach einzigen nachhaltigen Weg zum Frieden auf. Man lernt endlich als Erwachsener zu agieren und nicht mehr als verletztes Kind. Mir hat das unheimlich viel Freiheit gegeben, wobei es sicher viele Jahre dauert, die negativen Botschaften zu löschen und durch positive zu ersetzen.

Kommentarauszug zu Nathis Video

(Steht 1:1 im GLR Blog zum selben Tag.)

ckeckthis:
ich erlaube mir einmal zusammen zu fassen: 47min um zu sagen meine eltern sind scheisse, kommt das ungefähr hin ? und ist das nicht klasse, so hat man immer jemanden dem man die schuld geben kann für sein eigenes versagen. uuhh mein leben ist scheisse ich bin kaputt ich bin psychisch gestört, ich habe aber jemanden dem ich das alles in die schuhe schieben kann: ELTERN, ja eltern versauen ihre kinden, deine haben dich, du wirst deine, leb damit oder geh in den wald mit einem strick, es gibt 8 mrd menschen einer mehr einer weniger pfff, die erde wird sich weiter drehen mit oder ohne dich, dich dich hier auf dem kanal folgen werden sich einen neuen suchen, dein freund oder mann wirde sich eine neue suchen und innerhalb kürzester zeit ist es so als wenn du nie existiert hast, ganz einfach, die welt ist keine ponyhof und darin fliegen auch keine elfen rum, sie ist hard und dreckig

GLR: Kraft der Freiheit:
Schade, Deine Welt ist hart und dreckig. Meine nicht. Ich lasse den Dreck bei den Dreckspatzen. Und die, die den Dreck rechtfertigen und mit dem gleichsetzen, was Wert hat, sind die allergrößten Dreckspatzen.

Es kamen da noch einige interessante Wortwechsel, auch mit anderen Beteiligten. Weil die Sache so exemplarisch und lehrreich ist, habe ich das dort auch noch ausführlicher kommentiert:

GLR: Kraft der Freiheit:
Ich möchte, um nochmal zur Sache selbst zu kommen, noch etwas anmerken zu diesem "die Vergangenheit abhaken und hinter sich lassen". Das habe ich mehrere Jahrzehnte auch immer gesagt. Es klingt ja auch irgendwie entschlossen und selbstverantwortlich. Nur daß es total falsch ist und auch nicht funktioniert. Einfaches Beispiel: Wenn man die Prägung abhaken könnte, könnte man ab der Sekunde kein einziges Wort Deutsch mehr sprechen oder verstehen. Das ganze Gehirn (und nicht nur die Sprachfunktion) ist komplett durchprogrammiert. Anderes Beispiel, das ich in letzter Zeit sehr gut und plastisch studieren konnte: Bei uns im Pferdestall sind etliche Pferde aller Arten, darunter auch Rennpferde. Irgendwann kommt man dahinter, daß deren ganzes Verhalten von früheren Erfahrungen, zum Teil auch Traumata, bestimmt ist. Manche Pferdeinhaber verstehen das aber nicht und lästern über die Tiere: "verrückt", "spinnt", "was hat er jetzt schon wieder". Was ich gelernt habe: Es hat IMMER einen Grund, wenn ein Pferd etwas tut oder verweigert. Ein Pferd hat nie böse Absichten. Eines der Rennpferde ist z.B. enorm fähig und könnte viele Rennen gewinnen, aber es reagiert aufgrund früherer Erlebnisse neurotisch. Es kann irgendwo ein Plastikstück liegen, und das Pferd geht instinktiv in den Fluchtmodus und geht durch.

Das meiste Verhalten, auch bei Menschen, und ich sehe es nun viel genauer auch bei mir, geschieht aufgrund von früheren, v.a. traumatischen Erlebnissen. Das hat Susan Forward in ihrem Buch sehr gut erklärt und veranschaulicht. Insbesondere alle zarten und verletzlichen Seiten sind weitgehend durch Mißbrauchs- oder umgekehrt vertrauensbildende Kindheitserfahrungen vorbestimmt, und das läßt sich noch nichtmal mit langjährigen Therapieversuchen "korrigieren". Außerdem verlangt es viel Mut und Ehrlichkeit, sich selbst damit zu konfrontieren. Wenn man z.B. feststellt, daß die eigene Kindheit nicht schön war (alle Kinder wünschen sich, daß es so ist - das führt bis hin zu Verdrängung von Vergewaltigungserlebnissen und anderen Greueln), ist das ein brutaler Schock. Die ganze emotionale Grundlage der eigenen Existenz bricht zusammen, und wo andere ihre positiven Erfahrungen haben, wird man bei sich selbst auf einmal mit einem schwarzen, häßlichen Loch konfrontiert.

Wer, wie oben zu sehen, so etwas nicht erkennt oder nicht zugibt, daß es wichtig ist, macht sich selbst zum psychischen Krüppel. Oft stecken sogar eigene Verdrängungen von traumatischen Erfahrungen dahinter. Oft wird das Motto "Jeder ist seines Glückes Schmied" stark betont, um sich der eigenen vermeintlichen Herrschaft über alle, auch unterschwelligen Regungen, zu vergewissern - Triumph des Macher-Egos, hinter dem ein kleines, verängstigtes und mißtrauisches Kind steckt.
Eine Lösung ist das nicht, und sarkastisches Bagatellisieren schadet auch noch allen anderen, die sich um Wahrheit im eigenen Leben bemühen. Daß das natürlich mit dem allgemeinen Sucht- und Ablenkungsverhalten in der seelisch verkümmerten Massengesellschaft kompatibel ist (und nicht zuletzt auch zu der Empathielosigkeit der jetzigen Lügenpolitik geführt hat), brauche ich wohl nicht weiter auszuführen.

GLR
7.10.2015

Meine eigenen Erlebnisse sind sehr persönlich und individuell, spiegeln aber im Rückblick aus mehr als 40 Jahren betrachtet wesentliche Grundmuster der Verdrängung und Zerstörung von Lebenskraft und Authentizität dar. Das ist auch der Grund, warum ich sie ab Mai 2014 öffentlich gemacht habe und weiterhin ausarbeiten werde.

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