LEBENSKRAFT
UND MISSBRAUCH

Juli 2017

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Nicht gewinnen können

Von GLR | 31.7.2017 10:00

Die Sache mit der Software, neben anderem, hat mich darauf gebracht, daß ich schon seit Jahren mein Empfinden in der Art vernachlässigt habe, daß ich Momente von Wohlgefühl oder auch von Interessendurchsetzungen (sogenannte "Siege", auch Selbstbehauptungen) gewohnheitsmäßig unter den Tisch fallen lasse. Das stammt noch aus der langen Zeit des Mißbrauchs her. Es gab da schlichtweg weder Interessendurchsetzungen noch richtige Siege. Ich erinnere mich noch heute sehr plastisch, wie ich noch nicht mal als eindeutig überlegener Gegner in Tennisspielen, vor allem Ranglisten- und Turnierspielen, viel schlechtere Kontrahenten schlagen konnte. Bei einem damaligen Klassenkameraden, der viel schlechter als ich spielte, führte ich 5:0 und 40:0 und verlor dann noch. Ich verlor eigentlich fast immer. In der Jugendmannschaft war ich deshalb völlig unbeliebt; da ich damals aber aufgrund des höheren Alters (mit ca. 14 oder 15) eindeutig größer und stärker war, hatte ich den Platz 1 inne. Bei jedem Turnier wurde schon zu Beginn mein Auftritt als verloren eingerechnet, und die anderen mußten sich dann anstrengen, das wieder aufzuholen.

Ich war quasi immer der geborene Verlierer, und zwar in allen Bereichen: im Sport, beim Prügeln, bei der sozialen Rangordnung, bei Auftritten auf Veranstaltungen, bei Mädchen bzw. Frauen. Das habe ich dann vollkommen verinnerlicht. Man kann dann einfach nicht mehr gewinnen, nirgendwo. Hier ist auch wieder ein Grund für den Rückzug in den rein mentalen Bereich: Logik, Mathematik, Naturwissenschaft, Technik — oder Bücher, Philosophie, Literatur.

Eben weil ich das lebenslang so gewohnt war, habe ich es nie gelernt, irgendetwas, das zu meinen Gunsten lief, zu genießen. Statt zu genießen, hatte ich Schuldgefühle. So als hätte ich gegen ein Verbot verstoßen. Und als hätte ich jemand anderem etwas weggenommen. Der könnte ja nun wütend auf mich sein, und mich würde dann die Strafe treffen.

Es gab weder ein positives Gefühl, noch ein positives, fließendes Körperempfinden. Froh war ich nur, wenn ich weg konnte. Deshalb wanderte ich auch so viel, lief Dauerlauf, rannte spontan, wenn ich das Haus verließ (das mache ich noch heute). Das war dann der Moment der Freude: wegzukommen, Freiheit zu gewinnen. Am besten ganz weit weg, ins Ausland, ins noch fernere Ausland, auswandern.

Die ganze Sache hängt eindeutig mit meinen Eltern zusammen. Denn die haben mir das gute Selbstgefühl als erste kaputt gemacht und völlig vergiftet. Vor allem mein Vater. Aber wie ich nun zuletzt entdeckt hatte, steckt meine Mutter da auch sehr stark mit drin. Es ist jetzt der erste echte Triumph für mich: Vorgestern mußten sie, aufgrund der unendlichen Dummheit und Boshaftigkeit meiner Mutter, endlich einmal die Folgen für ihre Handlungen tragen und aus Ersparnisgründen aus dem bisherigen Heim in ein anderes umziehen, offenbar sogar in ein gemeinsames Zimmer (= Maximalstrafe). Da keimt bei mir eine leichte Freude und Genugtuung auf.

Der zweite Punkt, der positive Empfindungen erschließt, hat mit den vorausgeahnten Veränderungen bezüglich meiner Software zu tun.

Ich denke jetzt darüber nicht nach, sondern das muß wirken und einsinken.

Meine eigenen Erlebnisse sind sehr persönlich und individuell, spiegeln aber im Rückblick aus mehr als 40 Jahren betrachtet wesentliche Grundmuster der Verdrängung und Zerstörung von Lebenskraft und Authentizität dar. Das ist auch der Grund, warum ich sie ab Mai 2014 öffentlich gemacht habe und weiterhin ausarbeiten werde.

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