LEBENSKRAFT
UND MISSBRAUCH

GLR: Erinnerungen

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Erinnerungen 1:
Die Beschimpfungen

Die Beschimpfungsparolen

Ich kann mich an folgende Beschimpfungen und verbale Herabsetzungen durch meinen Vater erinnern. Die Formulierungen stehen in der Reihenfolge, wie sie mir nun einfallen und gleichzeitig am häufigsten vorkamen. Feststehende, für viele kaum glaubhafte Tatsache ist, daß mein Vater mit mir fast durchweg so gesprochen hat (wenn er mit mir überhaupt gesprochen hat). Positive Formulierungen gab es nicht. Mein Vater machte sich immer darüber lustig, daß es Pädagogen gäbe, die meinen würden, Lob würde weiterbringen. Er führte dann oft im spöttischen Ton Beispiele an, wie Trainer oder Lehrer versuchen würden, Schüler künstlich "hochzuloben".

  • Versager!
  • Totalversager!
  • Schlappschwanz!
  • Lahm-Arsch!
  • Schwächling!
  • Memme!
  • Bürschchen!
  • Feigling!
  • Mißratener Kerl!
  • Schnösel!
  • So ein verwöhntes Muttersöhnchen!
  • Total verweichlicht!
  • Der ist zu gar nichts zu gebrauchen!
  • Der hat von Tuten und Blasen keine Ahnung!
  • Besserwisser!
  • Das ist ja nicht zum Aushalten!
  • Womit habe ich das nur verdient!
  • Und so etwas hat man auch noch im eigenen Hause!
  • Und so etwas streckt seine Füße unter meinen Tisch!
  • Wenn ich dich schon sehe, wird mir übel!
  • Wenn ich den schon sehe!
  • Schau dir den an!
  • Geh' mir aus den Augen!
  • Mach', daß du fortkommst!
  • Komm' mir bloß nicht mehr in die Quere!
  • Auf dich kann man sich nie verlassen. Dann mache ich es lieber gleich selber.
  • Bei dem sind Hopfen und Malz verloren!
  • Woher hat er das nur? Von mir nicht. (Darauf meine Mutter: Von mir auch nicht. Es wurde dann untersucht, von welchen Großeltern ich das haben könnte. Manchmal kam der Vater meiner Mutter in Frage, den mein Vater ebenfalls als Versager ansah.)
  • Reiß' dich doch zusammen!
  • Entweder du spurst, oder es knallt!
  • Entweder reißt du dich jetzt am Riemen, oder ich schlage dich windelweich!
  • Schau dir den an!
  • Aussichtsloser Fall!
  • Womit habe ich das nur verdient!
  • Bohnenstange (als ich größer wurde als er)
  • Großer Lackel (als ich größer wurde als er)
  • Unsportlich! (Mein Vater war Sportlehrer.)
  • Linkisch und ungeschickt!
  • Aus dem wird nie ein richtiger Mann!
  • Aus dem wird nie etwas!
  • Außer reden kannst du nichts!
  • Der kann nur alles schlechtmachen!

Das alles gepaart durch Mimik und Gesten wie: haßerfüllten Blick, Seufzen, Schulterzucken, Abwenden. Oder Sich-Aufraffen zu neuen Anläufen der "Erziehung": "Was tut man nicht alles. Wieso hat mir das Schicksal so einen ... aufgehalst?"

Gefährlich wurde es, wenn er das Wort "Freundchen" gebrauchte. Denn das war immer kurz vor körperlichen Quälereien.

Bevor ich geschlagen wurde, hieß es (haßerfüllt, barsch, laut schreiend und stierend):

  • Komm mal her!
  • Herkommen!
  • Mach', daß du herkommst!
  • Dich prügel' ich windelweich! WINDELWEICH prügel' ich dich!
  • Dir werd' ich Beine machen!
  • Dir werd' ich helfen!
  • Hose runter!
  • (Wenn ich bei Schlägen auf den nackten Hintern die Hände dazwischenhielt:) Hände weg! Wirst du wohl die Hände wegtun!

Die Abqualifizierungen

Meist lief das so, daß meine Mutter im Spiel war und es hieß, ich hätte mich schlecht gegen sie verhalten. Die Tatsache, daß es mit meiner Mutter Konflikte gab (der ich mich gegenüber offener äußerte als gegenüber dem Vater, mit dem ich kaum Kontakt hatte, außer s.o.), wurde dann zum Anlaß genommen, mir meine "Schlechtigkeit" vorzuhalten — da nach Familien-Denkweise meine Mutter eine stets liebevolle, gütige Frau war, also eine Art Heilige. Jeglicher Konflikt und jegliche Verschlechterung der Stimmung bewies also meinen schlechten Charakter:

  • Undankbar!
  • So ein undankbarer Lackel!
  • Eiskalt!
  • Herzlos!
  • Ohne Gefühl!
  • Der geht über Leichen!
  • Der schreckt ja vor gar nichts zurück!
  • Da rackert man sich für ihn ab, und dann das!
  • Unbarmherzig!
  • Sadist!
  • Abgrundtief verdorben!
  • Er quält sogar seine eigene Mutter!
  • Du solltest dich schämen!
  • Hast du denn vor gar nichts Respekt?
  • Kein Schamgefühl!
  • Schmarotzer! Macht sich hier breit und läßt sich nur bedienen!
  • Was hat der nur für Gene!
  • Da lacht der auch noch! (Das war später, ca. ab 18)
  • Jetzt wird er auch noch frech! Na warte!

Meine eigenen Erlebnisse sind sehr persönlich und individuell, spiegeln aber im Rückblick aus mehr als 40 Jahren betrachtet wesentliche Grundmuster der Verdrängung und Zerstörung von Lebenskraft und Authentizität dar. Das ist auch der Grund, warum ich sie ab Mai 2014 öffentlich gemacht habe und weiterhin ausarbeiten werde.

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