LEBENSKRAFT
UND MISSBRAUCH

GLR: Erinnerungen

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Erinnerungen 4: Das Verbot

Der Gotteskomplex

Mich hatte mit ungefähr 25/26 Jahren Horst-Eberhard Richters Buch „Der Gotteskomplex: Die Geburt und die Krise des Glaubens an die Allmacht des Menschen“ unglaublich aufgewühlt, weil ich darin eine starke Parallele zu der Geschichte mit meinem Vater gefunden hatte. Ich erinnerte mich gut an die Passagen, wo der Sohn Martin Alpträume mit seinem Vater hatte und diese sich dann während der gleichzeitigen offenen Konfrontation mit seinem Vater änderten. Bei mir hat sich bisher in den Träumen noch keine derartige Änderung abgespielt. Erschüttert hatte mich damals vor allem die Beschreibung des Endes des Vaters und die Art, wie Richter den Zusammenhang zwischen der energetischen Entwicklung von Sohn und Vater erklärte.

Das Buch hat einen viel stärkeren Eindruck auf mich hinterlassen als die meisten anderen Bücher; das merke ich auch daran, daß die Beschreibungen und die Aufdeckung der psychologischen Hintergründe im Buch noch nach so langer Zeit für mich ein ungelöstes, weiterhin offenes Thema sind.

Der Vater als Verbieter und Verunmöglicher

Gottesgleichheit des Vaters — das klingt übertrieben, wurde aber von mir im psychischen Sinn genau so empfunden. Die Macht des Vaters ist „unendlich“. Dies ist als Urangst im Unterbewußtsein eingegraben und zeigt sich auch in den Träumen.

Am Beispiel eines vor mehreren Jahren aufgenommenen Bildes meines Vaters stellt sich bei mir sofort und völlig reflexartig die Angst ein, im nächsten Moment geschlagen zu werden. Das Foto wurde offenbar gegen seinen erklärten Willen aufgenommen, quasi nur „unter Zorn“ geduldet. Normalerweise werden solche Bilder dann nicht weitergegeben, sondern entfernt. Es werden extra „schöne“ Bilder gemacht und sehr aufwendig gestellt (man muß ihn erst in die richtige Stimmung bringen; das ist Aufgabe meiner Mutter).



So, wie er auf diesem Bild dasitzt, mit diesem Ausdruck mühsam unterdrückten Zorns, der jeden Augenblick als rohe, unbeherrschbare Gewalttätigkeit hervorbrechen kann, saß er mir jahrelang am Tisch gegenüber. Sagte ich etwas, das ihm nicht gefiel, holte er mit dem rechten Arm aus und schlug zu; dies ist auf dem Foto bereits in der Mimik angedeutet.

Alpträume

Bis vor einigen Wochen hatte ich immer noch Alpträume von Attacken des Vaters gegen mich. Sie sind immer gleich: Er starrt mich drohend an, dann schlägt er zu. Ich bekomme Todesangst und wache auf.

Im Gegensatz zu Richters "Martin" bin ich noch nie an den Punkt gekommen, mich in dem Traum zu wehren.

Frauen-Verbot

Das hat nichts mit der bei den meisten Menschen üblicherweise vorkommenden Hemmung vor Vertrautheit, Sich-Verlieben oder starker erotischer Energie zu tun hat. Ich habe das gestern in der S-Bahn beobachtet. Mir saß eine recht attraktive junge Frau gegenüber. (Was hier in D ziemlich üblich ist: die Frauen schauen weg und vermeiden auch ziemlich gezielt den Blickkontakt, v.a. in solchen anonymen Situation wie Verkehrsmitteln oder auf der Straße.) Erst nach längerer Zeit bemerkte ich, daß ich diese Attraktivität absolut nicht wahrgenommen hatte, obwohl sie ja da war. Als nächstes konstruierte ich mir dann mit etwas Anstrengung und Überwindung die Idee, wie es wäre, mit dieser Frau näheren Kontakt zu haben. Sofort kam vom Unterbewußtsein das starke Signal, das sei „gar nicht möglich“. Ich versuchte dann, wieder mit Anstrengung, den Grund herauszufinden. Da ging es dann nicht weiter. Es ist „nicht möglich“, fertig.

Wie gesagt empfinde ich hier keine erotische Energie, nur das Verbot. Die erotische Energie wird zu einer Phobie: ich bekomme, kaum merke ich oder gebe mir zu, daß die Frau schön ist und mir gefällt, eine irrsinnige Angst, fast Todesangst. Das Verbot muß aber irgendwoher kommen. Es ist nicht natürlich (andere haben es ja nicht; die sind nur befangen oder unsicher usw., aber sie denken doch nicht: „unmöglich!“).

Es gibt auch noch Unterschiede, wie dieses Verbot hinsichtlich Frauen, die mich anziehen, international wirkt. Bei einer Skala von 1 bis 100 (=Totalverbot) liegen deutsche Frauen bei mir bei 80-100, ausländische westeuropäische Frauen bei ca. 60-80, osteuropäische bei 50-60, Südamerikanerinnen bei 50-80, Araberinnen bei 20, Inderinnen bei 40, Asiatinnen (Nord) bei 30, Asiatinnen (Süd) bei 0-20. D.h. mein Vater und die deutsche Kultur (sowie natürlich auch die Kirche) werden im Unterbewußtsein als Einheit gesehen und stehen als Autorität weit über mir. Wenn nun die Autorität den Frauenkontakt erlaubt (Beispiel Bhagwan, oder meinetwegen auch ein Therapiegruppenleiter, Ferienclubleiter etc.), „darf“ ich. Ohne Erlaubnis „darf ich nicht“. Entsprechend reagiere ich auch auf Ehemänner und feste Partner: die werden im Unterbewußtsein dann zu meinem Vater, und ich bekomme Angst vor ihnen.

Selbsthaß

Im Buch werden lange Perioden des Selbsthasses von Martin beschrieben. Man merkt, daß es um Energie geht; diese wendet sich zuerst destruktiv gegen ihn selbst, dann zunehmend gegen den Vater. Der Kampf gegen das „Es geht nicht“, „Ich kann nicht“ ist wie eine Waffe, die momentan auch zum Bumerang werden und einen selbst fast töten kann. Auch hier starke Parallelen zu meiner Situation.

Therapie der Verkrüppelung

Es ist offensichtlich, daß Martin verkrüppelt ist. Ähnliches schrieb ich auch über mich (das löst immer sofort Widerspruch aus: „Du bist doch nicht verkrüppelt!“). Aber man sieht am weiteren Verlauf, daß er gerade mal Glück hat, eine Partnerin zu finden, die ihn annimmt. (Genau dasselbe bei mir; es kommt zu keiner Begegnung mit der passenden Frau, sondern man muß die nehmen, die einen überhaupt noch will. Und man kann froh sein, wenn es überhaupt dazu kommt). Er „rettet“ sich ja auch noch ins Ausland (s.o., da fühlt man sich „freier“).

Richters Buch beschreibt nur einen kleinen Teilerfolg. Der Schaden wird notdürftig geflickt, und dann wird im normalen Leben halbwegs weitergelebt. Natürlich hat der Therapierte, wie Richter schreibt, dann auch zeitweilig starke Probleme mit seiner Frau. Es ist nur ein „halbes“ Glück. Der Vater hinterläßt einen Riesenkrater von Vernichtung.

Meine eigenen Erlebnisse sind sehr persönlich und individuell, spiegeln aber im Rückblick aus mehr als 40 Jahren betrachtet wesentliche Grundmuster der Verdrängung und Zerstörung von Lebenskraft und Authentizität dar. Das ist auch der Grund, warum ich sie ab Mai 2014 öffentlich gemacht habe und weiterhin ausarbeiten werde.

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