LEBENSKRAFT
UND MISSBRAUCH

GLR: Erinnerungen

Start www.reschke.de www.selbsterkenntnis-schule.de

Erinnerungen 6: Verhinderte und verdrehte Sexualität

Private Erfahrung ohne jeglichen Frauenbezug

Ich kann mich nicht mehr an das genaue Alter erinnern, wann ich Erektionen und Samenergüsse hatte, aber es war vor der eigentlichen Geschlechtsreife – womöglich schon mit 11 oder 12. Ich hatte mindestens 1 Jahr noch keine Schambehaarung.

Als ich Erektionen hatte, wußte ich nicht, was das war. Auch als Samenergüsse kamen, wußte ich nicht, wozu die da sind. Es gab null Zusammenhang mit Frauen. Das klingt absurd, weil ich sonst geistig frühreif war, aber bis ca. 18 hatte ich keine Ahnung von der Art des Geschlechtsverkehrs. Ich wollte es wahrscheinlich auch gar nicht wissen.

Jede Erektion war mir total unangenehm; ich wollte es nicht haben, daß der Penis vorstand. Ich steckte ihn immer zwischen die Beine. Dann gewöhnte ich mir an, mich zu befriedigen, indem ich ihn zwischen die Beine steckte und vorschnellen ließ. Das machte ich wohl so ca. 2 Jahre lang. Der Penis war klein, und ich befriedigte mich zumeist in der Unterhose. Auch als ich Samenergüsse hatte, gingen die immer in die Unterhose.

Meine Mutter ignorierte das, obwohl sie es wußte. Meine Unterhosen waren ziemlich verklebt und stanken. Als mein vier Jahre jüngerer Bruder geschlechtsreif wurde, legte uns meine Mutter Handtücher neben das Bett und bat uns, diese „dafür“ zu benutzen. Das wollte ich aber nicht, weil ich nicht wollte, daß meine Mutter mitbekam, wenn ich mich befriedigte.

Alle Selbststimulationen liefen über Fantasien von weiblicher Kleidung.

Keine Aufklärung

Ich bin nie regulär aufgeklärt worden.

Als ich ca. 16/17 war, wurde plötzlich der Aufklärungsunterricht zum ersten Mal gesetzlich vorgeschrieben. Aber unser Scheiß-Lehrer, ein echter bigotter Idiot, der auch gerne Kinder schlug und abstrafte, drückte sich: Er machte eine Stunde „Aufklärungsunterricht“, der gar keiner war. Er erzählte bloß ein paar Geschichten über Bienen und Blüten. Ich kann mich noch erinnern, daß die einzige Anspielung auf menschlichen Sex die war, daß er sagte: "Die Natur hat es so eingerichtet, daß alles zusammenpaßt."

Ich stellte meinen Vater in Anwesenheit meiner Mutter mit ca. 18 zur Rede, daß ich nie aufgeklärt worden sei. Er bekam dann sein hartes, gehässiges Lachen, und was ich denn überhaupt wolle. Er versuchte dann einfach abzulenken. Er erzählte eine Geschichte von einem jungen Mitglied der Tennismannschaft, der alle Frauen im Club "durchziehen" würde. Das verstand er wohl als "mich aufklären".

Zu erwähnen ist noch, daß ich in der ganzen Zeit nicht wußte, wo mein Penis beim Sex hingehört, weil er bei mir, vermutlich durch die jahrelange seltsame Selbstbefriedigung und durch die starke Phimose, eher nach unten zeigte. Ich schloß daraus, er müsse der Frau zwischen die Beine gesteckt werden. Daß die Frau eine Vagina für den Penis hat, wußte ich nicht und erfuhr es auch nie in irgendeinem Aufklärungsunterricht.

Das erste Mal habe ich Genaueres gesehen, als ich mit 18 nach Köln in ein Pornofilm-Kino fuhr. Pornofilme waren damals etwas sensationell Neues; der Kinopreis war ungefähr doppelt so hoch, und man bekam eine Cola mit dazu. Ich fand den Film ekelhaft und ging nach kurzer Zeit raus; ich ärgerte mich sehr über das hinausgeworfene Geld. Das Gezeigte erregte mich nicht nur nicht, sondern ich fand es abstoßend, und mir war klar, daß ich mit so etwas nichts zu tun haben wollte.

Schmerzen bei der Berührung

Ich hatte immer schon als Kind Schmerzen bei der Berührung des Penis. Ich vermute, aufgrund der Hochsensibilität. Daraus resultierte eine extreme Angst, speziell dort berührt zu werden. Ich habe viele Erinnerungen an das Waschen durch die Mutter, wo ich immer darauf bedacht war, den Penis in Sicherheit zu bringen. Ich klemmte ihn zwischen die Beine oder hielt beide Hände davor.

Das Drama mit der Vorhautverengung

Da in der Familie das Thema Penis genauso wenig wie das Thema Sex existierte, existierte auch dieses Thema nicht. Man brachte mich zweimal deshalb zum Arzt, ohne mir zu erklären, warum. Der eine Arzt schnitt wohl (ohne Betäubung) ein Stück in die Vorhaut, was mir unglaubliche Schmerzen verursachte. Ich hatte daraufhin panische Angst vor jeglichem Arztbesuch. Das zweite Mal waren wir „deshalb“ bei unserem Hausarzt. Ich hatte schon ganz grausame Angst. Es wurde dann vorsucht, die Vorhaut zurückzuziehen, was nicht ging. Wieder Schmerzen und noch größere Angst. Ich versuchte immer, die Hände davor zu halten; diese wurden dann gewaltsam zurückgezogen, und ich fing an zu schreien.

Eine traumatische Situation erlebte ich, als mein Vater, den die Phimose von mir (und meinem Bruder) absolut nicht interessiert hatte (und danach auch nie mehr interessierte), in unserem Bad versuchte, bei mir die Vorhaut gewaltsam zurückzuziehen. Die Schmerzen waren fürchterlich und mein Geschrei auch. Wieder wurden, wie beim Prügeln, meine Hände gewaltsam zurückgezogen. Ich weiß noch, was für eine Panik ich bekam, als ein kleines Stück der Eichel sichtbar wurde – die ich noch nie gesehen hatte. Ich empfand das als ekelhaft und meinte, da sei etwas kaputt. Ich bekam auch Angst vor meinem Vater, weil ich dachte, er wolle mir wieder einmal einfach nur Schmerzen zufügen; er hatte ja mit keinem Wort erklärt, worum es überhaupt ging. Ich weiß noch, wie er fluchte und schwitzte, weil er es nicht schaffte, die Vorhaut zurückzuziehen. Dann gab er auf. Insgesamt faßte ich diese Aktion genauso als Bestrafung auf wie das Verprügeln, nur daß sie als Trauma nachwirkte. (Als ich meinen Vater viel später auf meine Erinnerung ansprach und ihm alles genau schilderte, leugnete er kategorisch ab, daß es solch ein Ereignis je gegeben hätte; so etwas würde er nie tun. Ich müsse mir das alles eingebildet haben.)

Das war alles – es wurde nie mehr ein Thema. Meine Eltern wußten also, daß ich keinen Geschlechtsverkehr haben konnte, aber trotzdem gab es das Thema nicht.

Als ich mit 25/26 von Asien zurückkam, brachte mich meine Mutter zu einem mit ihr befreundeten Arzt, der die Beschneidung vornehmen sollte – mit dem Grund, daß es auch bei meinem 4 Jahre jüngeren Bruder nötig wäre. Dieser hatte schon vergeblich versucht, mit Frauen Sex zu haben, und wollte sich umbringen, weil es nicht klappte.

Neulich kommentierte ein Urologe, der den Penis untersuchte, daß die Operation nicht gut ausgeführt worden sei.

(Nachtrag)

Nachdem ich obiges zusammengestellt hatte, kam mir hoch, daß große Teile der wirklich peinlichen, mit Scham verdeckten Erlebnisse hier noch gar nicht erwähnt sind. Insbesondere die ganzen verdrehten und zwanghaften Ausdrucksformen und Varianten der Selbstbefriedigung. Die ganze Heimlichtuerei im Haus meiner Eltern. Die Scham, die Angst vor Entdeckung, die Versuche, alles, was Hinweise liefern könnte, zu vertuschen.

Ich sehe mich völlig außerstande, das hier zu schildern. Jedenfalls wurde mir dann regelrecht übel, und ich war entsetzt über den Einfluß, den diese Erinnerungen bei mir haben. Sie ziehen mich immer noch komplett herunter, und ich fühle mich ihnen gegenüber völlig ohnmächtig. Es gibt überhaupt nichts Angenehmes, keinen Lichtblick, keine wie auch immer geartete Qualität darin. Es kostet mich allein schon unglaubliche Kraft, so etwas wieder hochkommen zu lassen und ansehen zu müssen.

Meine eigenen Erlebnisse sind sehr persönlich und individuell, spiegeln aber im Rückblick aus mehr als 40 Jahren betrachtet wesentliche Grundmuster der Verdrängung und Zerstörung von Lebenskraft und Authentizität dar. Das ist auch der Grund, warum ich sie ab Mai 2014 öffentlich gemacht habe und weiterhin ausarbeiten werde.

Videos

Hilfreiche Texte

Texte

Buch-Empfehlungen

Video-Empfehlungen

Film-Empfehlungen

www.reschke.de | GLR Bücher | HTML5
Copyright © 2019 Gerd-Lothar Reschke | Impressum | Datenschutz