LEBENSKRAFT
UND MISSBRAUCH

Destruktive Mechanismen

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Bert Hellingers Schwarze Pädagogik

Die Arztempfehlung

Durch einen mir empfohlenen Orthopäden, bei dem ich wegen Rückenproblemen in Behandlung war und der später auch mein Softwarekunde wurde, bin ich in Kontakt mit dem Ansatz von Bert Hellinger gekommen. M. und ich schlossen dann auch nähere Bekanntschaft mit dem Arzt und seiner Frau; mehrmals besuchten wir sie privat. Ich kaufte etliche Hellinger-Bücher und studierte sie sehr gründlich. Aufgrund dieses Einflusses nahm ich wieder Kontakt zu meinen Eltern auf, nachdem dieser mehrere Jahre unterbrochen gewesen war.

Insgesamt war ich ca. zehn Jahre lang unter dem Einfluß von Hellingers Lehren. Ich war überzeugt, durch das Anerkennen einer übergeordneten Hierarchie ("Ordnung der Liebe", siehe auch Buchtitel) Frieden finden und die Beziehung zu meinen Eltern heilen zu können.

Wir haben dann mit der ganzen Familie meine Eltern mehrmals getroffen, anfangs eher bei uns in der Wohnung, dann mehrmals im Jahr im Seniorenheim, oft zu Festen wie Weihnachten oder Ostern.

Ich fühlte mich meistens unwohl und sagte das auch M. Besonders versetzten bestimmte Verhaltensweisen meiner Mutter, an denen ich Anstoß nahm, mich in depressive Stimmungen oder in Wut. M. wiegelte jedes Mal ab: Ich solle das nicht so wichtig nehmen; es müsse doch möglich sein, einfach nur eine kurze Zeit solche Treffen durchzuhalten und nichts Persönlicheres dabei auszutragen oder zu erwarten.

Der erwähnte Arzt ist übrigens auf einem ziemlichen Guru-Trip, und seine Frau hat einen ziemlich penetranten intellektuellen Tick. Ich habe über sie in einem meiner Bücher geschrieben, und zwar über das letzte persönliche Treffen, wo sie plötzlich, nach 4 Stunden, eine Zigarette hervorzog, während der Mann ihre Nikotinsucht mit esoterisch-psychologischen Argumenten rechtfertigte.
Einige Zeit davor hatte ich für beide die Internet-Auftritte organisiert.

Wonach gehen?

Erst im nachhinein ist mir bewußt geworden, daß sämtliche Kontakte und Begegnungen mit den Eltern, bis hinein in den einzelnen Verlauf, unter dem Hellinger-Einfluß standen. Es ist mir peinlich, das jetzt zu sehen. Auf der anderen Seite hatte ich auch keine Orientierung, kein Verständnis der Mißbrauchs-Dynamik, und verließ mich nicht auf mein tieferes Empfinden.

Man kann es auch so sagen: Ich verließ mich insoweit auf mein Gefühl, als ich Harmonie anstrebte. Dies führte dazu, daß ich nachgab — "um des lieben Friedens willen". Frieden mit einem kollektiven System zu schließen führt vordergründig dazu, daß es einem besser geht. Dafür opfert man aber die tiefere innere Wahrheit, man könnte auch sagen: sich selbst.

Die Haupt-Frage ist: Welcher Instanz gegenüber gibt man nach bzw. wonach richtet man sich? Nach einer von außen vorgegebenen Hierarchie (Hellinger-Ansatz), oder nach dem eigenen tieferen Fühlen und Wollen, nach dem eigenen Wahrheitsempfinden? Wer ersterem nachgibt — und das tun die meisten; mein Bruder, der deshalb fast gestorben ist, ist ein gutes Beispiel —, muß Teile von sich verleugnen. Bei mir würde das aber darauf hinauslaufen, den Mißbrauch auf mich zu nehmen und dann auch die Unfähigkeit zu echten Frauenkontakten auf mich zu nehmen. Genau das habe ich getan — und was habe ich damit gewonnen? Nichts, außer nochmal Geld von meinen Eltern zu bekommen. (Dafür habe ich ihnen wiederum Gewinn ermöglicht durch meine finanzielle Beratung für sie.)

Hellingers Grundirrtum

Hellingers Grundirrtum ist ganz einfach zu benennen: Es gibt keine "Ordnungen der Liebe"; es gibt auch keine Hierarchien in der Liebe. Die Liebe ist immer das ganze Sein, nicht irgend eine "Struktur" darin.

Damit fliegt auch das ganze Familienstellen auf. Es kann nicht darum gehen, irgendeinen Einzelnen irgendwo einzufügen und dadurch zu "heilen". Bereits hier wird unmerklich die Prämisse des kollektiven Systems mit hereingebracht. "Heilung" bedeutet dann, in diesem System seinen — im Sinne des Systems — harmonischen Platz zu finden.

Aus einem Web-Text:

Grundzüge von Hellingers archaisch anmutendem Regelwerk sind:

  • Kein Mensch löst sich ungestraft von seiner Sippe.
  • Jede Familie hat eine unverrückbare Ordnung: Die Frau folgt dem Mann. Kinder haben keine Rechte gegenüber ihren Eltern. Jede/r Erstgeborene hat seinen Platz vor dem Zweitgeborenen usw.
  • Diese Ordnung ist vorgegeben - ob sie uns gefällt oder nicht.
  • Jede Störung dieser Ordnung macht krank.
  • Kinder wollen (sollen!) ihre Eltern lieben. Sollte dieser »Fluß der Liebe« unterbrochen werden, schlägt er in Schmerz, Verzweiflung oder Krankheit um.
  • Somit sind bei den Aufstellungsszenarien »Ordnungen der Liebe« wiederherzustellen.

Eigentlich hätte ich das alles längst durchschauen müssen, aber beim Thema der Eltern konnte der Hellinger-Ansatz bei mir landen, weil ich nur sie und mich sah und daß ich unglücklich mit dem Status quo des Nicht-lieben-Könnens war. Daraus folgerte ich, daß sein Ansatz, der dieses Lieben-Können vermeintlich wieder restaurierte, richtig sein müsse.

Damit war dann aber sofort jede Chance, die ganzen Mißbrauchsfolgen aufzuarbeiten und sich ihnen zu stellen, zunichte gemacht, und zwar komplett und ein für allemal! Die dann verstreichende Zeit ist verlorene Zeit, ist eine durch den Hellinger-Ansatz betrogene Lebenszeit. Der Schaden, der dadurch entsteht, ist gar nicht zu ermessen.

Im nachhinein erscheint es mir besonders bemerkenswert, wie viele ansonsten ernstzunehmende und auch in psychologischen Fragen kompetent erscheinende Personen Hellingers Prämissen ziemlich pauschal glauben und ohne weitere Überprüfung übernehmen. Denn heute erscheinen mir deren Fehler nicht nur erheblich, sondern extrem auffällig, ja eigentlich unübersehbar. Das bedeutet wiederum: es muß sich bei den betreffenden Bewunderern bzw. Anhängern um blinde Flecke in ihrer eigenen Selbst- und Weltsicht handeln, und zwar mit Folgen, die ihre gesamte Lebenseinstellung und ihren Umgang mit anderen Menschen, insbesondere mit psychisch Kranken und mit Mißbrauchsopfern, betreffen.

Kollektive Herrschaftssysteme und das "In Fluß kommen" der menschlichen Energie

Interessanterweise sind etliche ehemalige Sannyasins (Bhagwan Shree Rajneesh/Osho) auf Hellinger hereingefallen und leben inzwischen z.T. sogar davon, "Familienaufstellungen nach Hellinger" abzuhalten.

Ich vermute, daß hier die Kernerfahrung, die so etwas begünstigt, folgende ist: Das Sich-Unterwerfen unter eine Autorität (Führer oder Guru, also Vater bzw. Übervater), das Sich-Anvertrauen und das Aufgeben abweichender (natürlich auch oft im Ego verankerter) Widerstandsimpulse führt meistens dazu, daß etwas in einem "in Fluß kommt" und man sich dann befriedet fühlt. Individualität ist hingegen wesentlich schwerer durchzuhalten. Es ist aber wichtig, zu sehen, daß all dies nicht mit eigentlicher Wahrheit und Erkenntnis bzw. Selbsterkenntnis zu tun hat. Es ist der leichtere Weg zur Harmonie, aber dieser Weg und die dadurch erlangte Harmonie sind teuer bezahlt.

Solch ein Mensch kann nie ganz frei werden, sondern wird immer Teil eines Systems, einer Struktur oder Hierarchie bleiben. Somit bleibt er auch Werkzeug eines ihm übergeordneten Interesses. Man kann auch sagen: Er bleibt in der Kindrolle stecken. Genau hier haben die Kirchen angesetzt und die pseudoreligiösen Kulte. Alles das ist nichts als die Wiedergeburt der Familientyrannei, des kollektiven Herrschaftssystems. Vom "In Fluß kommen" der Energie der Untertanen und Gehorchenden ernähren sich derartige Konstrukte.

Selbstverständlich gehört derartiges auch zum gesamten politischen und Gesellschaftssystem, bis hin zum Falschgeldsystem. Weil das bei der Menschheit so umfassend und weitverbreitet ist, sieht es keiner, und weder die Kind gebliebenen Mitläufer noch die als Ersatz-Väter fungierenden Herrschenden wollen das sehen und wollen auch nicht dulden, daß es gesehen wird.

Mike Hellwig über Hellinger

Wer auch noch an einer weiteren guten Beschreibung des Hellinger-Problems interessiert ist, sei auf diesen Text verwiesen:

Meine eigenen Erlebnisse sind sehr persönlich und individuell, spiegeln aber im Rückblick aus mehr als 40 Jahren betrachtet wesentliche Grundmuster der Verdrängung und Zerstörung von Lebenskraft und Authentizität dar. Das ist auch der Grund, warum ich sie ab Mai 2014 öffentlich gemacht habe und weiterhin ausarbeiten werde.

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