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Der narzißtische Perverse

Quellen

Wichtiges Material findet sich in dem Buch „Die Masken der Niedertracht“ von Marie-France Hirigoyen. Weiter unten findet sich eine lesenswerte Rezension.

Das Buch der französischen Autorin liest sich wie ein Kriminalbericht: hart, scharf, klar, ungeschminkt und erschütternd. Der Schwerpunkt liegt weniger auf Lösungen, sondern eher darauf, die Mentalität von Psychopathen überhaupt zum ersten Mal näher kennenzulernen und sich nach und nach mit der Tatsache vertraut zu machen, daß die beim normalen Menschen ablaufenden Regungen von Mitgefühl, Einfühlungsvermögen (Empathie) und natürlicher Hilfsbereitschaft hier auf eine Weise unter den Tisch fallen und geradezu mit Füßen getreten werden, die man erst einmal nicht für möglich hält.

Viele wissen nicht einmal, daß es Psychopathen gibt und wie viele es sind. (Geschätzte 10% der Bevölkerung.) Die meisten Politiker sind Psychopathen, und unter den Vergewaltigern und Mißbrauchs-Tätern gibt es einen besonders hohen Anteil. Immer geht es um Macht, die der Psychopath über sein Opfer (oder seine Opfer) vor allem deshalb erringt, weil er weniger fühlt und mehr auf seinen vordergründigen Nutzen orientiert ist (z.B. Lust am Quälen, sexuelle Lust, Abreaktion von Haß und Frustrationen, Dominanz, Herrschsucht, Grandiosität, Prestige usw.).

Narzißtische Perverse verhalten sich ihren Opfern gegenüber wie Energie-Vampire: Sie saugen ihnen die Lebenskraft und den Enthusiasmus regelrecht aus, weil sie selbst so wenig davon in sich verspüren. Sie benutzen des Elend des anderen als Trittbrett, um höher zu steigen. Menschen in ihrer Umgebung sind nur Mittel zum Zweck.


Helga König: Rezension zu „Die Masken der Niedertracht“ von Marie-France Hirigoyen, 1. Mai 2010

Am besten ganz lesen; hier nur eine kurze, aber wichtige Passage im Zitat:

Der narzißtisch Perverse will durch seine Machenschaften den anderen an sich zweifeln lassen. Dazu sind ihm alle Mittel recht; hinterhältige Anspielungen, Lügen, Ungeheuerlichkeiten etc.

Ein solch gestrickter Aggressor verweigert stets die unmittelbare Kommunikation, um aus dem Hinterhalt anzugreifen und sein Opfer, wo er nur kann, als Versager abzustempeln. Noch schlimmer, wenn der Aggressor ein solches Verhalten wehrlosen Kindern gegenüber ausübt. Solche Kinder benötigen in der Folge dringend therapeutische Hilfe, weil Kinder, welche Opfer von perversen Aggressionen sind, einen toten Kern in sich tragen, der eine Spirale der Zerstörung in Gang setzt, die sich später im Erwachsenenalter auslebt.


Buchbeschreibung zu Manfred Thielen: Trauma, Krise, Chance, Neubeginn: Körperpsychotherapie bei narzisstischen Selbstwertkrisen

Hier zu finden, lesen ab:

Narzißtische Menschen leben primär für ihr Image, sie sind ...

Aus Gründen des Urheberrechts kann ich hier nicht ganze Passagen einkopieren. Bitte unbedingt unter diesem Link weiterlesen, unterhalb der Buchvorstellungen! Da stecken unglaublich viele wichtige Aufschlüsse über die Persönlichkeitsstruktur von Narzißten drin. Dinge, die man sonst praktisch nirgends so genau geschildert findet.

Das für alles verantwortliche Opfer

Besonders wichtig und erwähnenswert ist folgende Tatsache, die in engem Zusammenhang mit diesem Charakterbild steht: Sämtliche Verhaltensweisen meines Vaters wurden stets auf mich und mein Verhalten als Ursache zurückgeführt. Dies geschieht von Familienmitgliedern selbst heute, mehr als 40 Jahre später, noch. Mein Verhalten sei der einzige Grund für jegliche Art von Gewalttätigkeit und Grausamkeit gewesen. Ich hätte ihn "dazu getrieben". Er hätte "nicht anders gekonnt".

Inzwischen erkenne ich den teuflischen Charakter dieser Rechtfertigungslogik besser. Nach ihr muß irgendwo etwas fürchterlich schief gelaufen sein, sonst wäre es ja nicht zu diesen Katastrophen gekommen. Da mein Vater und sein Temperament bei den Gewaltausbrüchen und Demütigungen quasi unschuldiges Opfer gewesen ist, muß meine Bösartigkeit und Schlechtigkeit entsprechend abgrundtief und unentschuldbar gewesen sein. D.h. meine gesamte seelische Innenwelt war nach diesem Denken ein einziger bedrohlicher Abgrund. Nichts an meinem Empfinden war intakt, natürlich, auf normalem Wege erklärbar. Ich muß eine Art Stellvertreter des Teufels auf Erden gewesen sein, ständig erpicht und darauf bedacht, Unheil anzurichten und die Zufriedenheit und Harmonie in der Familie zu beschädigen und zu untergraben. Mein bloßes Dasein, meine Blicke, der Tonfall meiner Stimme, meine Körperhaltung, ja manchmal schon mein Atmen wurden als gefährlich eingestuft.

Diese Bewertung hat dann natürlich jedes Gefühl in mir, daß irgendeine meiner Lebensäußerungen berechtigt und intakt war, nachhaltig untergraben. Entsprechend kam ich mir während der ganzen Kindheit und Jugend so vor, als wäre ich "das Schlechte an sich", eine Mißgeburt, eine Beleidigung für jeden anständigen Menschen.

Heute verstehe ich, daß es sich um ein großangelegtes Manöver handelte, die wahre Befindlichkeit des eigentlichen Täters zu verschleiern und mich als pauschalen Sündenbock herzurichten. Dieses Manöver war umso nachhaltiger, man könnte auch sagen "erfolgreicher", als es sich bei den Betreffenden um Meister der Psychologie, um ausgebildete Pädagogen, um äußerst feinfühlige und sensible Figuren handelte, die mich in ein ausgefeiltes Netz von Erklärungen und theoretischen Fundierungen einspannen.

Wie es mir in dieser ganzen Zeit wirklich erging, wie ich mich fühlte, was ich empfand, was mich freute oder traurig machte, hat bis heute niemand von diesen Personen jemals interessiert. Ich kann mich nicht an eine einzige Frage in dieser Richtung erinnern. Wichtig war allein, wie die beiden Eltern sich fühlten und ob man es schaffte, diesen möglichst wenig Sorgen oder etwas Freude zu bereiten.

Die Folge daraus war, daß ich auch im späteren Leben als Erwachsener nicht darauf achtete, ob andere an meinem Gefühlsleben irgendein Interesse zeigten oder dieses respektierten. Ich konnte mir gar nicht vorstellen, daß das überhaupt irgendeine Wichtigkeit hätte haben oder daß ich mir ein Recht darauf hätte herausnehmen können.

"Was denken die anderen über uns?"

"Was denken die anderen über uns? Oder was könnten sie denken?" war die alles beherrschende Frage. Immer wenn Nachbarn, Bekannte, Kollegen oder Sportkameraden in der Nähe waren, wurde ein Dauergrinsen aufgesetzt — das natürlich nur mit sehr viel Mühe durchgehalten werden konnte und sofort abfiel, wenn man sich unbeabsichtigt glaubte bzw. wenn der Sohn in der Nähe war und als Ventil für den sofort zu entladenden Ärger zu dienen hatte.

Alles, was das Außen-Image positiv beeinflussen konnte, mußte ins Spiel gebracht werden: Gebräunter Teint im Kontrast zur weißen Tenniskleidung, Muskeln, Mercedes oder Porsche, Haus mit großem Grundstück und eigenem Tennisplatz — aber vor allem die "gute Laune", das markant "angenehme" Verhalten, "jederzeit einen Spaß auf den Lippen".

Die Kinder waren Teil dieses Auftritts, Teil einer Art Präsentation, genau wie Grundstück und Auto. Klavierspiel, Schulzensuren, Kleidung, Fähigkeiten — es ging nicht darum, die Zöglinge zu fördern und zu ihrer Reife beizutragen, sondern ihnen Eigenschaften zu verleihen, durch die sie möglichst optimal zur Ausstaffierung des eigenen Auftretens benutzt werden konnten.

Jegliche Art von Unzufriedenheit oder Konfliktträchtigkeit wurde deshalb als schweres Vergehen angesehen, sozusagen als "Sabotage" der erfolgreichen Präsentation. Alles Unschöne und Disharmonische hatte hinter verschlossenen Türen abzulaufen. Es gab ein perfektes Doppelleben: das Leben vor den Augen der anderen und das Leben in den eigenen vier Wänden. Beides hatte nicht das geringste miteinander zu tun.

GLR
18.-19.5.2014

Meine eigenen Erlebnisse sind sehr persönlich und individuell, spiegeln aber im Rückblick aus mehr als 40 Jahren betrachtet wesentliche Grundmuster der Verdrängung und Zerstörung von Lebenskraft und Authentizität dar. Das ist auch der Grund, warum ich sie ab Mai 2014 öffentlich gemacht habe und weiterhin ausarbeiten werde.

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