LEBENSKRAFT
UND MISSBRAUCH

Destruktive Mechanismen

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Die systematische Vernichtung von Wert und Würde

Das folgende konnte ich erst herausfinden und aufschreiben, nachdem ich einige schwer depressive Episoden durchlaufen hatte. Denn das erste Erkennen des Hintergrunds, auf den ich gleich eingehen werde, führte zu einer Wiederholung der vollen Identifikation mit der zerstörerischen Selbsteinschätzung der völligen Wert- und Würdelosigkeit; es gelang mir zuerst nicht, diese Beurteilung sachlich-neutral und objektiv von außen zu sehen und v.a. auch den eigentlichen Grund dafür zu sehen. Im selben Moment, wo man noch daran glaubt, fällt man komplett in ein schwarzes Loch, möchte eigentlich gar nicht mehr leben und sieht auch überhaupt keine Lösung am Horizont.

Diese Vernichtung von Wert und Würde war, und das muß ich leider hier so deutlich bekräftigen, Ziel und Zweck meiner sogenannten "Erziehung". Es war nie darum gegangen, meine natürlichen Gefühle und Empfindungen oder Lebensimpulse zu respektieren oder gar zu fördern, sondern all das war in diesem krankhaften und — wie ich heute sehe — auch kriminellen, also eigentlich nach bürgerlichem Recht auch strafwürdigen Ansatz immer nur Störfaktor und mußte gründlich bekämpft, ausgemerzt und vernichtet werden.

Dieses kranke Denken war aber nicht nur Ausgeburt eines Erziehers, sondern stand für die pervertierte Denkweise einer ganzen Generation von Erziehern — die vermutlich seit Jahrhunderten überzeugt gewesen sind, das Richtige zu tun. Ja, sie wollten ihren Opfern mit einiger Wahrscheinlichkeit sogar "helfen", sie fördern, nämlich sie zu optimal funktionierenden Mitgliedern einer angepaßten und strikt konventionellen, hochmoralischen Gesellschaft formen. Dieses Denken wurde dann von Generation zu Generation weitergegeben, so daß auch das Opfer wieder Täter wurde, um wieder neue Opfer zu suchen und entsprechend zu formen und per quasi-militärischem Drill abzurichten.

Keiner dieser Menschen hat je verstanden, was Wert und Würde überhaupt sind und wie sie sich anfühlen — es gab schlichtweg nichts an eigenem Erleben, auf das sich solche Begriffe hätten beziehen können. Es gab nur falschen, unechten Ersatz dafür. Etwa Härte gegen sich selbst ("Selbstdisziplin" und "Selbstbeherrschung"), Reichtum und Prestige, zeitweilig auch einen rein körperlichen Genuß in Form von Bequemlichkeit oder Essen und Trinken. Aber tief in einem selbst schätzte man sich selbst nie, nicht einmal ansatzweise. Man hielt sich im Grunde für Dreck, für sündig, für einen Fehlschlag der Natur. Die "Erziehung" konnte dann nur darin bestehen, dem Kind einzuhämmern, es habe gefälligst Leistungen zu erbringen, um sich den Ersatz, den Anschein von Selbstwert und Selbstwürde zu vermitteln. Was natürlich nie funktionieren kann, weil es nie zu einem Kontakt mit dem Eigentlichen kommt. Alles ist nur eine mehr schlecht als recht geschauspielerte Fassade.

Ich war damals auch so frech, das meinem Vater ins Gesicht zu sagen. Und er wußte: er hatte immer einen in der Nähe, der ihn durchschaute und der einen ständigen tiefen Ekel vor der ganzen Falschheit und Verlogenheit verspürte. Kein Wunder, daß deshalb die ganzen langen Jahre lang immer Krieg herrschte, herrschen mußte. Da gab es nichts zu vermitteln oder zu vereinbaren.

Es ist kein Wunder, wenn derartige Menschen bis an ihr Lebensende nur Karikaturen und schließlich Wracks bleiben. Sie vegetieren in einem inneren KZ, aus dem es kein Entrinnen gibt.


Nun zu dem für mich direkt wirksamen Mechanismus, der hier seinen Ursprung hat. Gegenüber Frauen läßt sich nichts darstellen, nichts einbringen, nichts aufbringen, wenn diese etwa zwei Jahrzehnte lang andauernde Dressur jegliches Selbstvertrauen bis auf die Fundamente vernichtet und vergiftet hat. Schlimmer wird das Ganze dann dadurch, daß Frauen für eine solche Disposition kein Verständnis zeigen, sondern einen Jugendlichen oder Mann ganz knallhart ignorieren oder fallenlassen, wenn er in dieser Hinsicht nichts zu bieten hat. Ich habe mehrere Jahrzehnte gebraucht, um diese Erkenntnis überhaupt für möglich halten zu können, weil sie komplett meinem bisherigen Verständnis von Mitmenschlichkeit und Humanität widersprach. Und doch ist es so. Es ist sogar befreiend, das endlich als Tatsache zu akzeptieren, anstatt sich weiterhin darum herumzudrücken.

Die wenigsten Männer sind überhaupt imstande, sich mit diesem Zusammenhang zu konfrontieren. Lieber strampeln sie sich lebenslang ab, irgendetwas zu "scheinen" und "darzustellen". Das Ego muß erweitert und ausgeschmückt werden. Je mehr Ego, desto besser, und desto mehr Akzeptanz beim anderen Geschlecht. Mehr Muskeln, ein Sportwagen, ein hohes Gehalt, auftrumpfendes Verhalten, gewinnendes Lächeln (egal ob ehrlich empfunden oder nicht) — hier ist die ganze Palette gefragt und wird vom männlichen Durchschnittsbürger fleißig eingeübt.

Genau an diesem Punkt bin ich total aus dem ganzen Spiel herausgefallen. Es gab schlichtweg nichts, worauf ich hätte bauen können. Fühlte ich in mich selbst hinein, war da einfach gar nichts, und da alles, was ich hätte als "Ich" lokalisieren können, weder Wert noch Würde transportierte, fand ich auch nichts, was ich hätte präsentieren können.

GLR
25.5.2014

Meine eigenen Erlebnisse sind sehr persönlich und individuell, spiegeln aber im Rückblick aus mehr als 40 Jahren betrachtet wesentliche Grundmuster der Verdrängung und Zerstörung von Lebenskraft und Authentizität dar. Das ist auch der Grund, warum ich sie ab Mai 2014 öffentlich gemacht habe und weiterhin ausarbeiten werde.

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